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| Am Anfang war die Doppelhelix: James D. Watson und die neue Wissenschaft vom Leben
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Unkritisch bis zu meiner Schmerzgrenze
• • • • • (bewertet mit 3 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?) Rezension bezieht sich auf: Am Anfang war die Doppelhelix: James D. Watson und die neue Wissenschaft vom Leben (Taschenbuch) Das Buch "Am Anfang war die Doppelhelix" von Ernst Peter Fischer ist sehr gut geschrieben. Schwierige Sachverhalte werden dem Laien gut Verständlich dargestellt ohne den wissenschaftlich versierten Leser zu langweilen. Der Schwerpunkt liegt jedoch mehr auf der Person von James D. Watson und dessen Leben.
War ich am Anfang des Buches noch sehr angetan wurde das Buch für mich jedoch mehr zur Enttäuschung und schließlich zum Ärgernis.
Enttäuscht bin ich dadurch, dass der Autor zwar immer wieder betont, dass James D. Watsons Entdeckung gleichzustellen ist mit der von Einstein dies mir jedoch nicht zu vermitteln vermag. Gut 100 Jahre nach Einsteins Entdeckung ist mir begreifbar wie sehr dies die Welt verändert hat. Dies gilt für meine Person nicht für die Doppelhelix wobei ich dies nicht nicht wertend meine - vielmehr fehlt mir vermutlich (?) der Hintergrund. Und eben diesen Hintergrund, dieses Gefühl dafür wie Bahnbrechend diese Entdeckung ist, schafft es der Autor zumindest bei mir nicht zu vermitteln. Mein Unbehagen wird dadurch verstärkt, dass der Autor regelmäßig explizit betont wie genial James D. Watson sei. Das mag ja sein. Aber warum muss der Autor dies immer wieder schreiben, statt "Taten" für sich sprechen zu lassen. Zunehmend wird James D. Watson vom Autoren durch Worte (nicht Taten) auf einen unangreifbar erscheinenden Thron gehoben. Das Ende meiner Leser-Gedult ist erreicht als auf Seite 159 erläutert wird wie Rosalind Franklin von Watson - kurz gesagt - vollständig unsachlich und herab würdigend in die Pfanne gehauen wird und dies vom Autoren kommentiert wird mit : <ZITAT> "Man sollte ihm [=Watson] nicht vorwerfen, dass er als unerfahrener 20-Jähriger die schwierige Situation nicht meistern konnte, die mit der historischen Zeit - wir befinden uns im Nachkriegsengland - ebenso zu tun hat wie mit dem persönlichen Status. [...] Wie schwer muss es erst zwischen einem unreifen 24-jährigen jungen Mann und einer reifen "dunklen Schönheit" [= Rosalind Franklin] gewesen sein?" </ZITAT> (Warum ist er eigentlich erst 20, dann 24?)
Was mich hier zutiefst auf stößt ist: Es wird zunächst geschildert, wie eine Forscherin von Ihren männlichen Kollegen kontinuierlich fertig gemacht wird. Es wird geschildert wie Watson daran unmittelbar beteiligt ist und das ganze soll man ihm (Watson) dann nicht vorwerfen? Richtig ist: man muss es im Kontext der damaligen Zeit sehen (wobei ich meiner Studienzeit ähnliche Diskriminierungen an Kommiliton(in)en miterlebt habe). Was aber ist mit der immer wieder beschworenen Genialität von Watson? Könnte es sein, dass seine Person doch Risse hat, so wie jeder (!) Mensch? Nein. Dies lässt der Autor auch an dieser Stelle nicht zu - man darf es Watson nicht vorwerfen. Watson ist also nicht nur wissenschaftlich unangreifbar, sondern auch in seinem Sozialverhalten? Selbst dann wenn er sich aufs gröbste daneben benimmt? Was soll diese Erhöhung durch den Autoren? Es macht das Buch für mich (hier besonders) einfach nur unglaubwürdig und ärgerlich.
Als der Autor es dann auch noch für nötig erachtet einen anderen Autoren, Mulisch, dafür zu kritisieren, dass er Watson als Vorlage für eine Romanfigur verwendet hat und hier (indirekt) Watson auf die Erde holt vergeht mir das Interesse am weiter lesen. Was hat eine höchst subjektive Buchkritik in einer sachlichen Biographie zu suchen? Meiner Meinung nach nichts. Herrn Fischers verbittert erscheinende Meinung zu Herrn Mulisch interessiert mich nicht. Was mich interessiert ist ein Buch über Watson.
Ein weiterer Punkt der mich außerordentlich verblüfft hat: Fischer schreibt über "The Double Helix" dass es "zu dem weltweit meist gelesenen Buch über Wissenschaft werden sollte." (Seite 154) und in der Randnotiz "1" zu diesem Kapitel: "Es gibt zwar Bücher über physikalische Themen, die höhere Verkaufszahlen aufweisen, aber offenbar ohne gelesen zu werden." Respekt vor Herrn Fischer dass er sich die Mühe gemacht hat jeden Käufer eines physikalischen Buches darüber zu befragen ob er es denn auch gelesen hat.
Auf Seite 171 verlasse ich damit dieses Buch, fühle mich jedoch dennoch berechtigt es zu kritisieren.
Drei Punkte für ein sehr gut zu lesendes Buch mit interessantem Inhalt der gut dargestellt wird. 2 Punkte Abzug für die unkritische Haltung des Autoren und für unsachliche Kommentare und Argumentationen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 21. August 2011 | | |
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